Fischerstraße

Fischerstraße im Norden der Stadtinsel.

Die Fischerstraße liegt im Norden der Stadtinsel. Für Autofahrer beginnt sie als Einbahnstraße an der Schulstraße und mündet in die Steinstraße bzw. die Lange Straße. Vom Rathaus kommend trifft die Scabellstraße auf die Fischerstraße.

Pflaster, Giebel und gelegentlich Fachwerk stehen dicht beieinander. Autos rollen langsam: Kopfsteinpflaster und die 30-Zone der Insel. Außerdem hat die Straße einen deutlichen Schiefstand. Der südliche Fußweg liegt rund 40 cm höher als der nördliche. Zu Fuß gibt es zwei kleine Verbindungen zum Stadtgraben.

Herzstück: Altstadtcafé

Altstadt-Café im Fachwerkgiebelhaus Fischerstraße 37 Havelberg

Das Herzstück der Straße ist das Fachwerkgiebelhaus in der Fischerstraße 37. Es wurde Ende des 17. Jahrhunderts erbaut und zählt zu den am besten erhaltenen historischen Gebäuden der Stadtinsel. Heute sitzt darin das Altstadtcafé.

Über der Tür trägt der Balken einen Vers aus Psalm 27:

Gib mich nicht in den Willen meiner Feinde, denn es stehen falsche Zeugen wider mich und tun mir Unrecht ohne Scheu. Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde das Gute des Herrn im Lande der Lebendigen.

Solche Bibelsprüche auf den Hausbalken waren in der Frühen Neuzeit üblich. Sie hielten Glauben und Lebensverständnis der Erbauer fest, oft auch Namen und Baujahr. Für die Bewohner war der Spruch über der Tür mehr als Schmuck. Er wurde beim Eintreten gelesen.

Die Hansestadt hat das Haus in ihren historischen Rundgang aufgenommen, als eine Station zur Geschichte der Insel.

Fischerei als Rückgrat der Stadt

Der Name der Straße kommt vom Gewerbe. Havelberg lebte lange von Handwerk, Acker, Vieh und vor allem von der Fischerei. Die Insel in der Havel, kurz vor der Elbe, machte den Fang zum natürlichen Erwerb.

Geschlossene Innungen in Havelberg besaßen das Verkaufsrecht für Krebse und Fische zwischen Berlin und Hamburg. Das Gewerbe reichte über die Stadtgrenze hinaus. In der Fischerstraße lebten die Familien, lagen die Boote vor der Tür und entstand ein Teil des Wohlstands der Insel.

Ein Ort zum Innehalten

Die Fischerstraße hat kein Portal und keinen Turm. Ihr Reiz liegt in der Ruhe, solange kein Fahrzeug über das rundliche Kopfsteinpflaster fährt.

Hier haben Menschen von und mit dem Wasser gelebt. Bleib einen Moment an der Nummer 37 stehen und lies die Inschrift. Wenn das Café geöffnet hat, kannst du dich dort erfrischen oder je nach Jahreszeit aufwärmen.

Warum die Häuser auffällig schmal sind

Luftbild mit Flurgrenzen: schmale, tiefe Grundstücke der Fischerstraße zum Stadtgraben
Insbesondere nach Norden zum Stadtgraben sind die Grundstücke lang. Ausschnitt vom Geoportal LSA.

Schon beim ersten Gang fällt das Muster auf: Die Grundstücke sind schmal und sehr tief. Die Insel bot wenig Platz, jedes Haus sollte nah am Wasser liegen. Die Fischer brauchten den Zugang für Boote und Arbeit. Also wurden die Parzellen schmal geschnitten und in die Tiefe gebaut.

An den giebelständigen Häusern liest du diese Logik noch. Die heutige Reihe folgt der alten Teilung.

Weitere Straßen und Plätze auf der Stadtinsel

Die rote Markierung zeigt die Fischerstraße. Die anderen Nadeln sind weitere Straßen und Plätze der Stadtinsel. Klicke sie an, um mehr zu erfahren.

Kartenmaterial: OpenStreetMap. Positionen nach Straßenadresse (Nominatim/OSM).

Unterkünfte in der Fischerstraße

Drei Adressen direkt in dieser Straße. Klick auf die Kachel zur Seite mit Lage und Buchung.