Haus der Flüsse
Auf der anderen Havelseite, der Stadtinsel genau gegenüber, steht ein auffälliger Holzbau: das Haus der Flüsse. Drinnen dreht sich alles um Elbe und Havel, draußen um einen Erlebnisgarten mit Wasserspielplatz und einer kleinen Insel im Fluss. Der Eintritt ist frei.
Gut zu wissen
- Eintritt kostenfrei
- März bis Oktober täglich 9:00–17:00 Uhr
- November bis Februar Montag bis Freitag 10:00–16:00 Uhr
- Geschlossen 24.–26. Dezember und 31. Dezember bis 1. Januar
- Rollstuhlgerecht, mit behindertengerechter Toilette
- Angeleinte Hunde erlaubt
Der Weg von der Stadtinsel
Vom Markt auf der Stadtinsel führt der Weg über die Sandauer Brücke. Direkt hinter der Brücke biegst du links in die Elbstraße ein. Nach rund 200 Metern erreichst du das Haus der Flüsse. Ein kostenloser Parkplatz liegt direkt davor.
Was vorher hier stand
Bis Ende 2012 war hier eine Industriebrache: ein stillgelegtes Betonwerk direkt an der Havel. Eine Informationsstelle des Biosphärenreservats Mittelelbe gab es in Havelberg zwar schon seit 2004, aber nur im kleinen Beguinenhaus am historischen Salzmarkt auf der Stadtinsel. Für eine richtige Ausstellung war dort kein Platz.
Wie es entstand
2008 und 2009 setzten sich die Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe, die Stadt Havelberg und das Land Sachsen-Anhalt zusammen, um ein größeres Infozentrum zu planen. Als Standort wählten sie das Gelände des alten Betonwerks. Ende 2012 riss die Stadt die Industriebrache ab.
Anfang 2014 baggerte der NABU den alten, unter dem Werksgelände verschütteten Havelarm wieder aus. Seitdem gibt es die kleine Flussinsel direkt vor dem Haus wieder, die früher Petroleuminsel genannt wurde.
Am 26. Juni 2014 begannen die Bauarbeiten am Gebäude. Der Name „Haus der Flüsse“ entstand erst einige Wochen später. Eröffnet wurde das fertige Haus am 13. Juli 2015, zur Bundesgartenschau in der Havelregion. Diese BUGA war ungewöhnlich: Statt einer einzelnen Stadt war 2015 zum ersten Mal eine ganze Region Gastgeberin – neben Havelberg auch Brandenburg an der Havel, Premnitz, Rathenow und Stölln, verteilt über rund 80 Kilometer entlang der Unteren Havel. Über 177 Tage kamen mehr als eine Million Besucher.
Das Biosphärenreservat Mittelelbe
Das Haus der Flüsse ist das nördliche Infozentrum des Biosphärenreservats Mittelelbe, das seit 1979 von der UNESCO anerkannt ist und Teil des länderübergreifenden Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe ist. Es umfasst die Flussauen von Elbe und Havel mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt.
Wappentier des Biosphärenreservats ist der Elbebiber, das größte Nagetier Europas. Um 1920 gab es nur noch sehr wenige Tiere, heute leben wieder rund 1.200 von ihnen im Gebiet – nirgendwo sonst in Deutschland so viele. Die Verwaltung des Biosphärenreservats hat ihren Sitz in Ferchels, nicht weit von Havelberg entfernt.
Was es gekostet hat
Der Bau kostete rund 3,8 Millionen Euro netto. Finanziert wurde er größtenteils über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (75 Prozent). Die restlichen rund 1,3 Millionen Euro netto zahlte das Land Sachsen-Anhalt über sein Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt.
Die Aufgabe des Hauses
Betrieben wird das Haus von der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe. Offiziell trägt es den Beinamen Natura-2000-Informationszentrum. Natura 2000 ist das größte zusammenhängende Naturschutzgebietsnetz Europas – und die Flussauen von Elbe und Havel gehören fast vollständig dazu. Die Aufgabe des Hauses ist es, diesen Naturschutz greifbar zu machen: zu zeigen, warum die Auen so wertvoll sind, wie Hochwasser und Natur zusammenhängen, und was das mit dem europäischen Schutzgebietsnetz zu tun hat.
Die Architektur
Der Holzbau ist bewusst hochgedämmt und mit einer Fassade aus Lärchenholz verkleidet, die sich im unteren Bereich wie aufgespreizt zeigt. Zum Nachhaltigkeitskonzept gehören ein begrüntes Dach, Vogelschutzglas, Geothermie zur Beheizung und eine Lüftung, die rund 90 Prozent der Wärme zurückgewinnt. Große Fensterflächen und eine Empore im Inneren geben immer wieder den Blick frei: auf den Havelarm, den Garten davor, die Stadtinsel und den Havelberger Dom.
Geplant hat das Gebäude das Büro Däschler Architekten Ingenieure aus Halle (Saale) unter Leitung von Christian Däschler. Für den Garten und die Steganlage war das Büro PLANTRAUM Freiraumarchitekten verantwortlich, für die Ausstellung die Agentur ö-Konzept – beide ebenfalls aus Halle. Insgesamt umfasst der Holzbau rund 6.050 Kubikmeter umbauten Raum.
Was du drinnen erlebst
Die Dauerausstellung verteilt sich auf 27 Stationen. Ein Auenmodell zeigt, wie wechselnde Wasserstände Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen. Typische Bäume und Tiere der Flussaue werden vorgestellt, ebenso der Vogelzug entlang von Elbe und Havel.
Ein virtuelles Aquarium zeigt das Leben unter Wasser. Am „begehbaren Fluss“ lässt sich spielerisch erleben, wie eine Aue Hochwasser aufnimmt und wieder abgibt. Besonders bei Kindern beliebt: der „Nachtgang“, ein abgedunkelter Bereich, in dem man nachtaktive Tiere an ihren Geräuschen erraten kann.
Oben auf der Empore gibt es eine interaktive Talkrunde zu Naturschutzthemen und eine ruhige Klangecke mit Blick auf die Havellandschaft. Am Ende wartet ein Quiz.
Der Erlebnisgarten und die Petroleuminsel
Vor dem Haus setzt sich die Ausstellung im Freien fort. Auf rund 14.000 Quadratmetern gibt es Stationen zu Hochwasserpegeln, Fischen der Havel, Baumbestimmung und Auenklängen, dazu einen Wasserspielplatz.
Über einen Steg erreichst du die kleine Flussinsel – die frühere Petroleuminsel – mit einer Aussichtsplattform über die Havel und zur Stadtinsel hinüber. Der rund 180 Meter lange Flussarm, der die Insel umgibt, ist eines der Herzstücke der Renaturierung an der Unteren Havel. Er war lange unter dem alten Betonwerksgelände verschüttet und wurde erst mit dem Bau des Hauses wieder freigelegt. Infotafeln des NABU erklären vor Ort, wie diese Wiederanbindung funktioniert hat.
Im Sommer 2018 ankerte hier für ein paar Wochen die „GlasArche 3“ – eine fünf Meter große gläserne Arche-Skulptur, getragen von einer Hand aus Eichenholz, die durch verschiedene Natur- und Kulturorte Mitteldeutschlands wanderte.
Weil das Haus öffentlich finanziert und getragen wird, kostet der Besuch – drinnen wie draußen – nichts.
Adresse: Elbstraße 2, 39539 Havelberg
Quellen u. a.: haus-der-fluesse.de, NABU (Eröffnung 2015), Architektenkammer Sachsen-Anhalt, Wikipedia Petroleuminsel, Hansestadt Havelberg.
Lage auf der Karte
Rot markiert: Haus der Flüsse. Blaue Marker zeigen weitere Sehenswürdigkeiten. Kartenmaterial: OpenStreetMap.