Dom St. Marien
Der Dom St. Marien thront über der Stadtinsel und prägt das Bild der Hansestadt. Dom und Oberstadt liegen etwa 17 Meter über dem Niveau der Insel. Den Fußweg hinauf nimmst du über die Domtreppe; die Dombrücke bringt dich nur bis an den Fuß des Hangs.
Von der Bistumsgründung bis zur Weihe 1170
Das Bistum Havelberg wurde unter Otto I. 946/948 gegründet, als eines der frühen Bistümer östlich der Elbe. Nach dem Slawenaufstand 983 konnten die Bischöfe lange nicht residieren. Mit dem Wendenkreuzzug 1147 und dem Prämonstratenserbischof Anselm begann der eigentliche Kirchenbau. Der Dom wurde als dreischiffige romanische Basilika aus gelbgrauem Quarzit (Grauwacke aus Plötzky) errichtet und am 16. August 1170 der Jungfrau Maria geweiht.
Besonders markant ist das Westwerk: ein fensterloser, wuchtiger Block im Stil des sächsischen Westriegels. Die Grundfläche misst etwa 30,2 × 6,1 Meter, die Höhe bis zur Mauerkrone rund 31 Meter. Es gehört zu den entschiedensten Verwirklichungen dieses Bautyps in der deutschen Romanik.
Brand 1279 und gotischer Umbau
1279 zerstörte ein großer Brand weite Teile der Anlage. Bis etwa 1330 wurde der Dom gotisch umgebaut: Kreuzrippengewölbe, hohe Fenster, neuer Chorabschluss. Der romanische Kern blieb spürbar. Um 1400 entstand der Lettner mit Reliefs und Sandsteinfiguren zur Passions- und Auferstehungsgeschichte, zugeschrieben der Parler-Schule. Die Eichenchorgestühle und Grisaille-Fenster stammen aus derselben Epoche.
Innenraum
Das dreischiffige Langhaus führt zum Chor mit Hochaltar (um 1700). Die Kanzel von 1693 und die Orgel von Gottlieb Scholtze (1777, 34 Register) prägen den Westabschluss. In den Seitenschiffen und am Kreuzgang finden sich Grabplatten und Epitaphien des 16. und 17. Jahrhunderts – stille Zeugen der Domherren und Bürgerfamilien.
Kreuzgang und Kreuzganghof
Der Kreuzgang gehört zu den ältesten romanischen Backsteinbauten Norddeutschlands (Ostflügel um 1200). Die gotischen Kreuzrippen und Maßwerkfenster prägen den Umgang. Im Hof steht ein großer Baum; von den Bögen aus öffnet sich der Blick auf Dom und Stiftsgebäude. Hier liegen auch Epitaphien – darunter eine Grabplatte von 1576 mit Mutter und zwei Kindern.
Raum der Stille und Reformation
Im Dom gibt es einen „Raum der Stille“ – einen schlichten, gewölbten Raum zum Verweilen. 1506 wurde das Prämonstratenserstift in ein weltliches Domkapitel umgewandelt, 1561 evangelisch. Das Bistum Havelberg endete 1598. Heute gehört der Dom zur Domgemeinde Havelberg-Nitzow und ist seit 1996 Eigentum der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt. Er ist Station der Straße der Romanik.
Am Domplatz liegen das Prignitz-Museum (im ehemaligen Stiftsbereich), der Dechaneigarten und das Restaurant La Dolce Vita in der früheren Domschule.
Quellen u. a.: Wikipedia St. Marien (Havelberg), Domgemeinde Havelberg-Nitzow, ISEK Hansestadt Havelberg, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt; ergänzend die Publikationen „Dom zu Havelberg“ (1970) und „Der Dom zu Havelberg“ (Prignitz-Museum, 1979) sowie Beiträge zur Museumsgeschichte.
Lage auf der Karte
Rot markiert: Dom St. Marien. Blaue Marker zeigen weitere Sehenswürdigkeiten. Kartenmaterial: OpenStreetMap.