Prignitz-Museum am Dom

Luftaufnahme 2026: Dom und Klosteranlage Havelberg mit den Flügeln des Prignitz-Museums
Dom und Klosteranlage von oben (2026). In den oberen Räumen der Flügel liegt das Prignitz-Museum.

Das Prignitz-Museum sitzt mitten in der mittelalterlichen Klosteranlage am Dom. Domplatz 3, oberhalb der Stadtinsel. Hier siehst du rund 30.000 Exponate zur Siedlungsgeschichte, zur Dom- und Bistumsgeschichte und zur Hansestadt Havelberg. Von der ersten Besiedlung über Kaiserzeit, Kriege und DDR bis in die Gegenwart.

Praktisches für deinen Besuch

Adresse: Domplatz 3, 39539 Havelberg
Öffnung: Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr
Geschlossen: 1. Januar, 24. Dezember, 25. Dezember, 31. Dezember.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag ist der Eintritt frei.

Eintritt (Stand Angaben Museum): 6,00 Euro, ermäßigt 3,00 Euro, Familienkarte 12,00 Euro. Frei für Kinder bis 6 Jahre und Schulklassen des Landkreises Stendal. Ermäßigung für Schüler, Studierende, Azubis, Freiwilligendienst, Leistungsempfänger und Schwerbehinderte mit Merkzeichen B (Nachweis).

Barrierefrei: Am Westflügel gibt es einen Aufzug. Rollstuhl, Gehhilfe und Kinderwagen erreichen das Museum über einen separaten Eingang vom Domplatz aus.

Im Eingangsbereich findest du den Domladen. Gegenüber liegt der Paradiessaal, in dem gelegentlich Konzerte, Lesungen und Veranstaltungen stattfinden. Wer am Eingang vorbeigeht und dem Weg folgt, kommt in den Dechaneigarten hinter dem Dom.

Parkplätze liegen unter anderem am Domplatz und in der Nähe (u. a. Amtstorstraße). Von der Stadtinsel kommst du über die Domtreppe oder den Prälatenweg hinauf. Gegenüber am Domplatz: La Dolce Vita.

Was du erleben kannst

Drei große Dauerausstellungen füllen die historischen Klosterräume. Die Siedlungsgeschichte der Regionen Prignitz, Altmark und Havelland trägt den Titel „Nichts ist so beständig wie der Wandel“. In zwölf Themen dokumentiert sie rund 10.000 Jahre Entwicklung an Elbe und Havel: von der Steinzeit über das Mittelalter bis zur Industrialisierung der Neuzeit. Dazu kommen Dom- und Bistumsgeschichte im Kreuzgang und Westflügel sowie die Geschichte der Hansestadt Havelberg im großen Saal (ehemals Schlafsaal bzw. Bischofsraum) mit Blick auf die Stadt. Hörstationen, Modelle und Hands-on-Elemente machen die Stationen greifbar.

Dazu kommen wechselnde Sonderausstellungen zu Geschichte und zeitgenössischer Kunst. Der Sonderausstellungsraum gehörte im 15. Jahrhundert zum Dormitorium des Klosters und war in einzelne Schlafzellen unterteilt. Die rechte Backsteinwand mit den kleinen rundbogigen Fenstern war ursprünglich eine Außenmauer. Erst durch die Aufstockung des darunter liegenden Kreuzganges um 1400 wurde sie zur Innenwand. Über den acht romanischen Fenstern zeigt sie einen dekorativen Fries mit doppeltem Deutschen Band, typisch für die Backsteinarchitektur des späten 12. Jahrhunderts. Lokal verbundene Künstler können anfragen, ob eine Präsentation möglich ist.

Für Kinder gibt es unter anderem kleine Backsteine zum Bauen, Puzzle, Memory und museumspädagogische Angebote. Im Haus findest du einen Büchershop und einen Getränkekühlschrank. Fotografieren ist erlaubt.

Rund 30.000 Exponate decken ein weites Spektrum ab: Ur- und Frühgeschichte, Sakralkunst, Handwerk, Schiffbau, Stadtgeschichte, Kaiserzeit, die beiden Weltkriege und das Leben in der DDR. Der Pferdemarkt hat eine eigene Station mit Satteln, Zaumzeug, Stiefeln, historischen Plakaten und einer Marktordnung.

Einblicke in die Ausstellungen

Der große Saal zur Geschichte der Hansestadt Havelberg (ehemals Schlafsaal bzw. Bischofsraum) ist der zentrale Raum der Dauerausstellung. Vitrinen, Modelle, Hörstationen und Originalstücke von der frühen Stadtgeschichte bis in die jüngere Vergangenheit stehen hier nebeneinander. Der Kreuzgang mit seinen gotischen Gewölben führt dich durch Teile der Dom- und Bistumsgeschichte. Die wechselnden Sonderausstellungen nutzen die Backsteinräume mit ihren romanischen Details.

Großer Ausstellungsraum zur Havelberger Geschichte im Prignitz-Museum mit Vitrinen, Hörstationen und historischen Objekten
Großer Geschichtsraum: Vitrinen, Hörstationen und Exponate zur Stadtgeschichte
Gotischer Kreuzgang des Prignitz-Museums mit Gewölben, Exponaten und Blick in die Ausstellungsräume
Kreuzgang mit gotischen Gewölben und Ausstellungsstücken
Sonderausstellung im Prignitz-Museum: keramische Plastiken und Gemälde in Backsteinraum
Wechselnde Sonderausstellung in den Backsteinräumen
Pferdemarkt-Station im Prignitz-Museum: Sattel, Zaumzeug, Stiefel und Marktordnung
Sattel, Zaumzeug und historische Marktordnung am Pferdemarkt-Exponat
Vitrine zum Großen Markt und Pferdemarkt mit Zeitungsausschnitten, Fotos und Jacke
Vitrine zum Großen Markt: Zeitungsberichte, Fotos und Alltagsstücke
Historische Plakate Großer Markt in Havelberg 1952 und 1953 mit Pferde-, Vieh- und Fohlenmarkt
Plakate zum Großen Markt 1952 und 1953: Pferde-, Vieh- und Fohlenmarkt, Tanz und Programm

Die Station zum Großen Markt und Pferdemarkt zeigt, wie sich der alte Pferdehandel zum Volksfest mit Krammarkt, Rummel und Brautschau entwickelte. In der DDR machte der Handel mit Mangelwaren den Markt überregional bekannt. In der Vitrine liegen Zeitungsausschnitte, Fotos vom Treiben und Alltagsstücke wie eine Jacke. Daneben hängt die historische Marktordnung. Die genauen Paragraphen der alten Ordnung stehen auf dem ausgestellten Blatt. Wer genauer lesen will, nimmt sich vor Ort Zeit oder fragt das Museumsteam.

Lageplan der Sonderausstellungen im Prignitz-Museum mit Hinweis auf ehemaliges Dormitorium
Lageplan Sonderausstellungen und Baugeschichte des Dormitoriums
Ausstellungstafel Zentrum und Peripherie: Havelberg zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt mit Zeitungsausschnitten 1990
Tafel „Zentrum und Peripherie“ zur Länderzugehörigkeit nach 1990

Fördermitgliedschaft

Der Verein Freunde und Förderer des Prignitz-Museums e.V. unterstützt Restaurierungen, Ankäufe, Publikationen und Veranstaltungen. Der Jahresbeitrag beträgt 30 Euro (ermäßigt 10 Euro, juristische Personen 110 Euro). Als Fördermitglied kannst du mit Partner und Kindern das ganze Jahr über ohne Eintritt ins Museum. Beitrittserklärung und Kontaktdaten findest du auf der Museumswebseite.

Gründung 1904: Warum gerade Havelberg?

Am 12. August 1904 gründeten Honoratioren der Prignitz den Verein zur Förderung der Heimatkunde in der Prignitz. In der Satzung stand klar, was sie wollten: die Heimatkunde fördern, den Altertumsfunden aus der Prignitz in Havelberg eine Aufbewahrungsstätte geben, sie so erhalten und den geschichtlichen Sinn der Bevölkerung beleben.

Mitbegründer und langjähriger ehrenamtlicher Leiter war Sanitätsrat Dr. Richard Hartwich (1860-1936), praktischer Arzt in Havelberg. 1906 öffnete die erste Ausstellung im Obergeschoss der Klausur: archäologische Funde, Dombausteine und Kirchenkunst. Schon früh flossen über 200 Objekte aus dem damaligen Dommuseum ein. Heute ist das Haus eines der ältesten Museen Mitteldeutschlands und das erste Museum der Prignitz.

Hartwich selbst schrieb 1912 im Heimatkalender, das Museum habe durchaus Besucher, und doch sei es bedauerlich, dass die Prignitzer nicht öfter kämen. Wer komme, finde viel Interessantes und Anregung zum Sammeln. Der Sinn für Heimatkunde werde gestärkt.

1945: Schäden und Verluste

Direkte Kriegseinwirkungen hatte das Museum lange verschont. Am 3. Mai 1945 sprengten deutsche Truppen die Havelbrücken. Der Druck der Sprengungen zerstörte Dach und Fensterscheiben, kippte Schränke um und beschädigte zahlreiche Exponate. Etwa ein Viertel des Museumsbestandes ging in dieser Zeit verloren. Türen wurden aufgebrochen, wertvolle Stücke entwendet. Im Tresor blieben Teile der Münzsammlung und besondere Stücke wie die Jederitzer und Pröttliner Dose sowie die Nitzower Kette erhalten.

1946 forderte die sowjetische Militäradministration die Abgabe von Waffen und Fahnen. Auch frühneuzeitliche Stücke und Kriegervereinsfahnen mussten abgeliefert werden. Viele dieser Objekte sind unwiederbringlich verloren. Über die Plattform Lost Art sind Verluste aus dem Bestand gemeldet. 1951 konnte das Haus nach Bauarbeiten wieder öffnen.

Prignitz, Brandenburg, Sachsen-Anhalt

Havelberg ist historisch und kulturell ein elementarer Teil der Prignitz und wird oft als ihre Wiege bezeichnet. Der Name des Museums erinnert daran. Noch in der Nachkriegszeit gehörte die Stadt zum Kreis Westprignitz in der Provinz Brandenburg und wurde von Perleberg aus verwaltet. 1952 kam Havelberg als Kreisstadt in den Bezirk Magdeburg.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wollte ein großer Teil der Bevölkerung zurück nach Brandenburg. Eine Bürgerbefragung ging klar für Brandenburg. Das Stadtparlament entschied sich jedoch mit einer Stimme Mehrheit (7:6) für Sachsen-Anhalt. Viele Havelberger fühlen sich bis heute als Brandenburg und als Teil der Prignitz. Der zugestandene eigene Landkreis (Kennzeichen HV) wurde später aufgelöst. Havelberg gehört heute zum Landkreis Stendal (Kennzeichen SDL).

Moderne Autoren schreiben Havelberg deshalb oft in die Altmark. Das ändert nichts an der historischen Zugehörigkeit. Im Museum siehst du das an den Ausstellungen und an der Tafel „Zentrum und Peripherie“ mit Zeitungsausschnitten zur Länderfrage von 1990.

Louis Jacoby und die Schule von Athen

Louis Jacoby (1828-1918) zählte zu den besten Kupferstechern seiner Zeit. Zehn Jahre arbeitete er an der Schule von Athen nach Raffael. Einen der ersten Abdrucke schenkte er um 1900 seiner Heimatstadt Havelberg. Im Nationalsozialismus drohte dem Werk die Vernichtung, weil der damalige Bürgermeister Kunstwerke von Menschen jüdischen Glaubens nicht dulden wollte. Das Blatt wurde aus dem Rathaus geholt und auf dem Dachboden eines Havelberger Hauses versteckt. Jahrzehnte geriet es in Vergessenheit. Heute ist es wieder zugänglich und wird nach der Erstausstellung auch im Museum gezeigt. Das Video dazu lohnt sich:

Ausstellungen und Atmosphäre

Wechselnde Sonderausstellungen füllen die Backsteinräume. Ein kurzer Eindruck:

Zum zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es traditionell freien Eintritt und oft die Weihnachtseisenbahn des Fördervereins. Ein weiteres Video zum Haus und zur Stimmung:

Kurzüberblick

Kontakt Museum:
Telefon: 039387 21422
E-Mail: prignitz-museumnospam@landkreis-stendal.de
Webseite: prignitz-museum.de

Quellen u. a.: prignitz-museum.de (Öffnungszeiten, Eintritt, Barrierefreiheit, Museumsgeschichte, Förderverein), Vereinssatzung 1904 und Festschrift Hinter Havelberger Klostermauern. 100 Jahre Prignitz-Museum 1904-2004, Heft 90 Jahre Prignitz-Museum Havelberg (1994), MDR Kultur zum 120-jährigen Jubiläum 2024, Museumsblätter zu Kriegsverlusten und Lost Art, Wikipedia Prignitz-Museum, Ausstellungstafeln vor Ort (Länderzugehörigkeit, Pferdemarkt, Dormitorium, Marktordnung), Volksstimme (Ausstellungstitel „Nichts ist so beständig wie der Wandel“).

Lage auf der Karte

Rot markiert: Prignitz-Museum. Blaue Marker zeigen weitere Sehenswürdigkeiten. Kartenmaterial: OpenStreetMap.