Wasserturm

Havelberger Wasserturm, 34,5 Meter hoher Backsteinturm an der Karl-Liebknecht-Straße
Wasserturm vom Platz am Busbahnhof aus gesehen

Auf der Anhöhe zum Domberg hinauf, Ecke Karl-Liebknecht-Straße und Cotheniusstraße, steht der Havelberger Wasserturm: ein 34,5 Meter hoher Backsteinbau von 1890, unübersehbar von Weitem und heute Wahrzeichen des Domviertels. Wer ihn besucht, bekommt gleich noch etwas dazu: den zentralen Busbahnhof direkt daneben, kostenlose Parkplätze und mit Schiffer's Kneipe eine der eigenwilligsten Adressen der Stadt.

Gut zu wissen

Ein Wahrzeichen, zwei Namensvettern

Wichtig für die Orientierung: Havelberg hat zwei Wassertürme. Der hier beschriebene steht im Domviertel und ist der große, weithin sichtbare Backsteinturm mit der markanten Kuppel. Ein zweiter, kleinerer Wasserturm gehört zum ehemaligen Bahnhofsgelände der alten Kleinbahn Havelberg-Glöwen und wird seit einigen Jahren von einem Privatmann originalgetreu restauriert. Wer online nach „Wasserturm Havelberg“ sucht, stößt schnell auf Berichte über diesen zweiten Turm. Gemeint ist damit nicht das Gebäude im Domviertel.

Bau und Architektur

Der Kernbau entstand 1890 nach Plänen des Havelberger Maurermeisters Fritz Broder und des Zimmermeisters Pastor. Mit seinen 34,5 Metern und ursprünglich 150.000 Litern Fassungsvermögen versorgte er die wachsende Stadt mit Trinkwasser, in einer Zeit, in der Havelberg gerade Bahnanschluss bekam und sich städtisch weiterentwickelte.

1933 folgte ein Umbau. Die beiden Jahreszahlen 1890 und 1933 stehen bis heute in Backstein gemauert an der Turmfassade, direkt über einem Ziegelrelief, das an das Havelberger Stadtwappen erinnert: Adler, Stadttor und Türme im Stil der Bauzeit. Wer genau hinschaut, findet dieses Detail an der Außenwand des Turms und, in Stein gehauen, oberhalb des alten „Turm Café“-Schildes, das noch heute an der Fassade hängt, auch wenn das Café selbst längst Geschichte ist.

Ziegelrelief am Wasserturm mit den Jahreszahlen 1890 und 1933
Jahreszahlen 1890 und 1933 mit Ziegelrelief im Stil des damaligen Stadtwappens

Seit dem Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt vom 21. Oktober 1991 ist der Wasserturm als Kulturdenkmal gewürdigt und im Denkmalverzeichnis eingetragen.

Vom Wasserspeicher zum Wohnquartier-Wahrzeichen

Bis Anfang der 2000er Jahre diente der Turm seiner ursprünglichen Funktion: der Trinkwasserversorgung. Schon zu DDR-Zeiten war er mehr als nur Technik. 1954 wurden direkt daneben Neubauwohnungen übergeben, die sich noch heute „am Wasserturm“ verorten. Der Turm war also schon damals ein fester Orientierungspunkt für ein ganzes Quartier, nicht nur ein Zweckbau am Stadtrand.

Mit dem Ende der aktiven Wasserversorgung zog zunächst Gastronomie in den Turmfuß ein, das „Turmcafé“, dessen Namensschild bis heute an der Fassade hängt. Diese Nutzung gibt es inzwischen nicht mehr.

Schild Turm Café am Fuß des Wasserturms
Schild „Turm Café“ an der Fassade
Blick den Wasserturm hinauf mit Backstein und Relief
Blick den Turm hinauf
Straßenschild Am Wasserturm in Havelberg
Sportsendungen werden in der Kneipe nebenan übertragen

Der große Auftritt: Bundesgartenschau 2015

Einen besonderen Moment erlebte der Wasserturm 2015. Die Bundesgartenschau (BUGA) 2015 Havelregion war die erste dezentrale Bundesgartenschau Deutschlands: Fünf Orte entlang der Havel (Brandenburg an der Havel, Rathenow, Premnitz, Stölln und Havelberg) teilten sich unter dem Motto „Von Dom zu Dom, das blaue Band der Havel“ die Ausrichtung. Über 177 Tage kamen mehr als eine Million Besucher in die gesamte Havelregion.

In Havelberg lag der Wasserturm mittendrin: Besucher, die von der Altstadt kommend über die Havel zum Domviertel gingen, erreichten hier den Ausstellungseingang. Direkt neben dem Turm liegt der alte Domfriedhof, den der Heimatverein Havelberg für die BUGA aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf holte. Wege wurden freigelegt, der alte Baumbestand blieb erhalten, und die Stadt ließ 27 sogenannte Havelberg-Bänke nach einer historischen Zeichnung von 1910 anfertigen, die dort bis heute zum Verweilen einladen. Eine eigene Seite zum Domfriedhof gibt es hier noch nicht. Der Ort ist aber über den kurzen Fußweg vom Wasserturm aus leicht zu finden.

Richtung Havel schließt sich das ehemalige BUGA-Gelände an, das den Weg zum Fluss markiert und heute noch als grüne Wegeverbindung erkennbar ist.

Heute: Nachbar von Schiffer's Kneipe

Im angrenzenden Flachbau direkt am Fuß des Turms hat sich Schiffer's Kneipe eingerichtet, mit Biergarten zur Straßenseite. Wer heute am Wasserturm vorbeikommt, sieht also weniger ein museal inszeniertes Baudenkmal als vielmehr einen lebendigen Ort mit Kneipe und gelegentlichem Livebetrieb, eine für Havelberg typische Mischung aus Geschichte und ganz normalem Alltag.

Was für einen Besuch interessant ist

Adresse

Karl-Liebknecht-Straße, 39539 Havelberg (Ecke Cotheniusstraße)

Lage auf der Karte

Rot markiert: Wasserturm. Blaue Marker zeigen weitere Sehenswürdigkeiten. Kartenmaterial: OpenStreetMap.

Quellen u. a.: havelberg.de, volksstimme.de (Lokalteil Havelberg), havelberg-heimatverein.de, Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft (BUGA Havelregion 2015), blaues-band.de, eigene Recherche vor Ort, August 2026.

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