Burgfest Tangermünde

Elbe vorn, Festwiese am Hafen, Burg und Stephanskirche dahinter.

Am zweiten Wochenende im September gehört Tangermünde drei Tage lang dem Kaiser, dem Rummel und der Elbe. Freitag Abend geht das Fest los, Samstag zieht Karl IV. mit Gefolge durchs Neustädter Tor auf die Burg, Sonntag bleibt der Hof für Familien offen. Von Havelberg sind es knapp 40 Kilometer, eine gute halbe Stunde mit dem Auto.

Das Fest sitzt an drei Stellen zugleich. Oben auf dem Burgberg der Mittelaltermarkt. In der Altstadt Bühnen, Gassen und der Umzug. Unten am Hafen Rummel, Schiffe und am Samstagabend das Feuerwerk über dem Strom. Wer nur einen Nachmittag hat, nimmt den Samstag. Wer übernachtet, hat Freitagabend und Sonntagmorgen gratis dazu.

Burgfest

Das erste Burgfest fand 1987 statt, noch zu DDR-Zeiten, als in Tangermünde Industrie stand und die Altstadt auf ihre Sanierung wartete. Die Zählung ist seither nicht abgerissen. 2018 war das 31., 2023 das 34., 2025 das 36. Fest. Es ist das große Stadtfest der Altmark, kein Beliebigkeitsmarkt mit historischem Anstrich. Der Umzug spielt ein datiertes Ereignis nach: den Einzug Kaiser Karls IV. am 7. September 1373.

Organisiert wird das Wochenende gemeinsam. Die Stadt kümmert sich um den historischen Kern zwischen Neustädter Tor, Eulenturm und Burgberg. Eine Eventagentur aus Rostock übernimmt Hafen, Elbufer und die große Wiese am Bleichenberg. Dazu kommen Häuser wie Schulzens mit eigenem Programm im Elbgarten. Jedes Jahr gibt es ein neues Programmheft. Die festen Programmpunkte bleiben unverändert, Bands und Marktbeschicker wechseln. Der Kaiser kommt immer.

Freitag

Am Freitagabend wird eröffnet, an der Bühne beim Rathaus und Markt. Musik, ein kurzer Feuerzauber, danach zieht sich das Bühnenprogramm in die Nacht. Für Kinder gibt es den Lampionumzug, begleitet von einem Fanfarenzug, der Marsch geht Richtung Hafen. Wer mit Kindern kommt, plant Freitag extra ein. Wer nur trinken und zuhören will, bleibt am Markt.

Samstag

Der Samstag ist der große Tag. Nachmittags, gegen 15 Uhr, setzt sich der historische Festumzug in Bewegung. Kaiser Karl IV. und seine Gemahlin Elisabeth von Pommern, in den letzten Jahren dargestellt von Rüdiger Albrecht und Anne Birkholz, ziehen mit Hofstaat durch das Neustädter Tor und die Stadt hinauf zur Burg. Oben hält der Kaiser die Rede an sein Volk. Danach bleibt der Burghof voll. Unten an der Elbe hat sich in manchen Jahren ein Drachenbootrennen festgesetzt. Der optische Schlusspunkt ist das Höhenfeuerwerk über dem Wasser.

Wer den Umzug fotografieren will, stellt sich am Neustädter Tor auf, nicht erst auf der Burg. Dort ist der Durchgang eng, der Zug braucht Platz, und du stehst mittendrin statt nur am Rand.

„Milkauer Schalmeien“ vor dem Neustädter Tor kurz vor dem Einzug des Kaisers. Die beste laufende Musik vor Ort!

Sonntag

Der Sonntag ist der ruhigere Tag. Familienprogramm auf der Festwiese am Bleichenberg, der Mittelaltermarkt auf dem Burgberg läuft weiter. Wer Samstagnacht bis zum Feuerwerk geblieben ist, hat Sonntagvormittag die Gassen fast für sich. Die Buden stehen, der Lärm ist kleiner.

Die drei Plätze

Auf dem Burgberg stehen das ganze Wochenende Stände, Lagerleben, Gewandungen. Schmied, Bogen- und Armbrustschießen, Holzspiele, Spielleute mit Harfe. Gelegentlich ein nachgebautes historisches Riesenrad. Das ist der Teil, den du mit Kindern und ohne Terminangst gehen kannst.

In der Altstadt liegen Bühnen, Gastronomie und der Weg des Umzugs. Kopfsteinpflaster, enge Durchgänge, Fachwerk. Festes Schuhwerk. Die Innenstadt ist für den Durchgangsverkehr gesperrt. Parken liegt außerhalb, zu Fuß weiter.

Am Elbufer und am Hafen steht der Rummel. Riesenrad, Buden, Schiffe an der Kaimauer. Von hier aus siehst du die Stadtmauer und die Türme in einer Linie. Samstagabend lohnt der Platz extra, weil das Feuerwerk über der Elbe steht, nicht irgendwo hinter einem Block.

Auskünfte zum Ablauf geben die Touristinformation am Markt 2, Telefon 039322 22393, und die Stadt Tangermünde. Einzelne Programmpunkte können sich verschieben. Der Rahmen bleibt: Freitag Eröffnung, Samstag Umzug und Feuerwerk, Sonntag Ausklang.

Anfahrt von Havelberg über die Landstraße Richtung Schönhausen und dann die Elbe entlang, oder über Stendal. Mit dem Zug fährst du über Stendal nach Tangermünde. Wer übernachtet, lässt das Auto stehen und läuft.

Nimm Wasser mit, bis du an den Ständen bist. Der Burgberg hat wenig Schatten, wenn die Sonne steht. Ein leichter Regenmantel ist klüger als ein Schirm im Gedränge. Wer den Umzug von vorn sehen will, ist eine halbe Stunde vor Beginn am Tor. Wer Kinder dabei hat, teilt den Tag: vormittags Burgberg und Handwerk, nachmittags Umzug, abends entweder Feuerwerk oder früh ins Quartier.

Essen gibt es an allen drei Plätzen. Oben am Burghof die Hotelterrasse, in der Altstadt die Gaststuben, am Hafen die Buden. Schulzens stellt im Elbgarten eine Tafel extra. Preise und Gerichte wechseln. Hunger nach dem Umzug ist kein Planungsfehler, sondern Teil des Samstags.

Das Fest verbindet sich gern mit Stadtjubiläen. 2009 fiel das 22. Burgfest auf 1000 Jahre Ersterwähnung. Eine hübsche Rechnung aus der Stadt: 1009 plus 1009 ergibt 2018, und genau in dem Jahr zog wieder ein großer Festumzug durch die Gassen. 2023 lag das 650. Jahr seit Karls Einzug daneben. Du musst die Zahlen nicht lernen. Es reicht zu wissen, dass das Wochenende nicht aus der Luft gegriffen ist.

Kaiserzug mit Kutsche und Pferden vor dem Eulenturm in Tangermünde
Einzug des Kaisers in die Stadt, Markt vor dem Eulenturm.

Tangermünde

Tangermünde liegt in der Altmark, Landkreis Stendal, auf einer Endmoräne über dem linken Elbufer. Dort mündet der Tanger. Die erhöhte Lage hat die Stadt historisch vor Hochwasser geschützt und den Elbzoll möglich gemacht. Rund 10.000 Einwohner, Mitglied der Europäischen Route der Backsteingotik, mehrfach als eine der schönsten Kleinstädte Deutschlands bezeichnet. Partnerstädte sind unter anderem Lich, Minden, Tavarnelle Val di Pesa und Wissembourg.

Von Havelberg aus ist die Stadt ein Ausflug mit klarer Belohnung: du tauschst die Insel gegen eine Hanglage, den Dom gegen Stephan und Kapitelturm, den Stadtgraben gegen die offene Elbe. Wer am Burgfest-Wochenende in Havelberg schläft und nur rüberfährt, hat morgens die Stadtinsel und nachmittags den Kaiserzug.

Die Altstadt ist klein genug, um sie an einem Tag zu laufen, und groß genug, um sich zwischen Tor, Markt, Kirche und Burg zu verlieren. Lange Straße, Kirchstraße, Schlossfreiheit: die Namen sagen schon, woran du stehst. Die Roßpforte liegt nahe der Schlafstuben, der Eulenturm neben Schulzens, das Neustädter Tor am Beginn des Umzugs. Wer eine Stunde ohne Festprogramm hat, geht die Mauer entlang und schaut auf die Wiesen.

Eulenturm mit Banner und Turm von St. Stephan in Tangermünde
Eulenturm mit Banner, dahinter St. Stephan.

Tangermünde war mehrfach Filmkulisse, unter anderem für TV-Krimis von Werner Toelcke und 1973 für den DEFA-Film Rotfuchs. Das erklärt, warum die Kulisse so fertig wirkt: Türme, Giebel, Pflaster, Elbhang. Am Festwochenende kommt nur noch der Kaiser dazu.

Elbpegel gehören zur Stadt wie die Türme. Der höchste gemessene Stand bei Tangermünde lag am 20. August 2002 bei 7,68 Metern. Die Moräne hat die Kernstadt historisch geschützt. Unten am Hafen siehst du trotzdem, wie nah der Strom an den Buden liegt. Die neue Elbbrücke von 1997 bis 2001 spannt 185 Meter, 1800 Tonnen Stahl, und holt dich von der anderen Seite wieder in die Altmark.

Rathaus

Der älteste Teil des Rathauses ist der Ostflügel von 1430, vermutlich vom Baumeister Hinrich Brunsberg. Markenzeichen ist die 24 Meter hohe spätgotische Schauwand aus Backstein, eines der starken Profanbauwerke der norddeutschen Backsteingotik. Dahinter liegt der Festsaal mit Sternrippengewölbe. 1480 kam die Gerichtslaube dazu, darüber die Ratsstube, heute Trauzimmer. Das eigentliche mittelalterliche Rathaus brannte 1617 ab. Was du siehst, war zuerst Erweiterung, später kam ein Anbau nach Plänen von Friedrich August Stüler. Im Erdgeschoss sitzt das Stadtgeschichtliche Museum, unter anderem mit der Grete-Minde-Ausstellung und Schiffsmodellen zur Elbe. Auf dem Dach nisten regelmäßig Weißstörche. Das Haus arbeitet also weiter, auch wenn gerade kein Fest ist.

St. Stephan

Die Stephanskirche ist eine gotische Hallenkirche, hervorgegangen aus einer romanischen Basilika des 12. Jahrhunderts. Der Nordturm misst 87 Meter und ist der höchste der zwölf Tangermünder Türme, der höchste Kirchturm der Altmark. Die barocke Haube ersetzte den Brand von 1617, zuletzt saniert um die Jahrtausendwende.

Nach dem Stadtbrand konnte sich Tangermünde keine neue Orgel leisten. Hamburg sprang ein und beauftragte Hans Scherer den Jüngeren. Kost und Logis für Orgelbauer und Gesellen übernahm die Stadt. 1624 wurde das Instrument geweiht. Rund die Hälfte der Pfeifen ist original. Der Prospekt ähnelt der Scherer-Orgel in der Lübecker Aegidienkirche. Bronzener Taufkessel von 1508. Fast die gesamte mittelalterliche Ausstattung war 1617 verloren.

Hinter dem Hochaltar steht eine astronomische Uhr, gebaut vom Tangermünder Ingenieur Volker Schulz zusammen mit Thomas Leu. Wer am Festwochenende nur Türme und Umzug sieht, hat hier einen stillen Grund, ein zweites Mal extra nach Tangermünde zu fahren.

Die Burg

Die Burg sitzt auf der Moräne über dem Strom. Erste Erwähnung 1009 bei Thietmar von Merseburg als civitate Tongeremuthi. Die Stadt selbst ist 1275 urkundlich greifbar. Von 1373 bis 1378 war die Anlage Nebenresidenz Kaiser Karls IV. neben dem Hradschin in Prag. Er ließ sie ausbauen und wollte Tangermünde zur Hauptstadt der mittleren Provinzen machen.

Der Kapitelturm ist ein rund 50 Meter hoher Wohnturm aus dem 14. Jahrhundert, sechs Stockwerke. Den Namen hat er, weil er vom 16. bis 19. Jahrhundert als Kornspeicher für die Einkünfte des Berliner Domkapitels diente. Das oberste Geschoss wurde 1903 unter Wilhelm II. nach einem Kupferstich von Matthäus Merian rekonstruiert. Seit 2003 ist der Turm nach Sanierung als Aussichtsturm zugänglich.

Die Alte Kanzlei ist das einzige noch aus dem 14. Jahrhundert erhaltene Gebäude der Burg. Ursprünglich Tanzhaus Karls IV. für höfische Feste, erst nach dem Dreißigjährigen Krieg Burgschreiberei, daher der nüchterne Name. Der Gefängnisturm entstand um 1480 unter Kurfürst Albrecht Achilles, sicherte den Zugang zur Burg und trägt außen Zickzackstreifen aus dunkelglasierten Steinen. Im Erdgeschoss lag ein Verließ mit 3,50 Meter starken Mauern, ursprünglich nur von oben zugänglich. Drei Stockwerke mit Kugelgewölben, oben eine Plattform mit Zinnenkranz. Das Kegeldach kam 1902, der Turm misst 37 Meter. Den Namen Gefängnis bekam er erst durch Zellen, die Mitte des 18. Jahrhunderts eingebaut wurden.

Das Schloss Karls IV. selbst zerstörte der Dreißigjährige Krieg. Der heutige Barockbau entstand 1699 bis 1701 unter dem ersten preußischen König Friedrich I. als Absteigequartier. Auf dem Gelände stehen zwei Bronzedenkmäler: Kaiser Karl IV. von 1900, ein Geschenk Wilhelms II., Kopie einer Statue der Berliner Siegesallee von Ludwig Cauer, und Kurfürst Friedrich I. von 1912, Bildhauer Ludwig Manzel.

Eine Anekdote bleibt hängen: Am 21. Juni 1841 besuchte König Friedrich Wilhelm IV. mit Königin Elisabeth und Prinz Karl die Burg. Während der Festlichkeiten brach das steinerne Geländer der Schlossbrücke. Mehrere Personen stürzten in den Burggraben. Der König ließ den Verletzten eine hohe Summe auszahlen. Die Brücke hält heute.

Tangermünde an Elbe und Tanger mit Stephanskirche, Riesenrad und Burgtürmen
Zusammenfluss: Elbe links, der Tanger kommt rechts durch den Hafen.

Geschichte

Drei Jahreszahlen tragen den Besuch: 1373, 1617, 1987. Dazwischen liegt eine Hansestadt, die Residenz war, Zollstadt, Brandopfer und später Industriestadt. Das Burgfest holt sich daraus jedes Jahr denselben Auftritt.

Karl IV. und die Residenz

Karl wurde am 14. Mai 1316 in Prag als Wenzel von Luxemburg geboren, Sohn König Johanns von Böhmen. Den Namen Karl nahm er in Anlehnung an Karl den Großen. Ab 1347 römisch-deutscher König, ab 1355 Kaiser, zugleich König von Böhmen. Prag machte er zur Goldenen Stadt, gründete 1348 die erste Universität Mitteleuropas, ließ den Veitsdom weiterbauen. 1356 erließ er die Goldene Bulle, bis 1806 das Grundgesetz der Königswahl.

1373 erwarb er für seine Söhne die Mark Brandenburg und machte Tangermünde zur Nebenresidenz. Der Handelsweg Elbe und die vorhandene Burg erklären die Wahl besser als jede Legende. 1375 ließ er im Brandenburgischen Landbuch Orte der Mark erfassen, eine Quelle, auf die sich viele Ortsjubiläen bis heute stützen. Am 29. November 1378 starb er in Prag. Mit seinem Tod endete Tangermündes Zeit als kaiserliche Residenz weitgehend.

Nach Karl folgten unruhige Jahre unter Sigismund und Jobst von Mähren. 1415 übernahmen die Hohenzollern das Kurfürstentum. Friedrich I. bekam die Burg als Residenz. Das 15. Jahrhundert wurde die Blüte als Hansestadt: Salz, Tuch, Holz, Bier. In dieser Zeit entstehen Rathaus, Tore und der gotische Ausbau der Stephanskirche. 1488 ein Bürgeraufstand gegen eine Biersteuer. Kurfürst Johann Cicero zweifelte an der Stadt. Die Residenz wanderte nach Berlin, Tangermünde wurde Verwaltungsmittelpunkt der Altmark und Prignitz statt Hof.

Der Brand und Grete Minde

Am 13. September 1617 brannte die Stadt. Zwischen zwei Dritteln und drei Vierteln der über 600 Häuser gingen verloren, gezählt wurden 486 Wohnhäuser und 52 Scheunen. Steinbauten wie Rathaus und Stephan überstanden schwer beschädigt. 1619 wurde Margarethe von Minden, später Grete Minde genannt, als vermeintliche Brandstifterin hingerichtet. Ihr Vater hatte die Stadt nach einem Totschlagsverdacht verlassen. Sie focht um ihr Erbe, heiratete 1616 den mittellosen Tönnies Meilahn. Zwei Jahre nach dem Brand geriet sie ins Visier, nachdem ihr Mann sie unter Folter beschuldigt hatte. Das Gericht sah ihre Schuld als erwiesen.

1880 verarbeitete Theodor Fontane den Fall in der Novelle Grete Minde, recherchiert 1878 vor Ort, mit deutlichen Abweichungen von den Akten. 1883 fand der Jurist Ludolf Parisius in den Prozessakten Widersprüche. Heute gilt als weitgehend sicher, dass Grete Minde zur Tatzeit krank in Apenburg lag und unschuldig starb. Eine Brandinschrift von 1617 am Haus Kirchstraße 23 erinnert daran, ebenso die Ausstellung im Museum. Das 17. Jahrhundert brachte außerdem den Dreißigjährigen Krieg und die Pest. Die Handelsblüte war vorbei.

An der Schlossfreiheit 3, dem früheren kurfürstlichen Elbzollamt, erzählt eine Tafel dieselbe Schicht andersherum: zwei Vorgängerhäuser fielen dem Brand von 1678 zum Opfer, Keller sind erhalten. Ein Haus gehörte der Familie von Minden, Hans von Minden war im 16. Jahrhundert Tangervogt. Seine Urenkelin Grete wurde 1619 verurteilt. Das zweite Haus war Lehen der Familie Gunz. Nach 1678 entstand das heutige Fachwerkhaus mit massiver Fassade, bis 1791 Elbzollamt, später in privater Hand, oft bei Schiffern und Handwerkern. Seit 1991 sitzt eine Galerie darin.

Vom Industrieort zum Fest

In der DDR prägte Industrie die Stadt. 1987, noch vor der Wende, gründete Tangermünde das Burgfest und griff damit auf die mittelalterliche Blüte zurück, lange bevor die Altstadt saniert war. Nach 1990 brachen die Betriebe weg. Die andere Seite dieser Zäsur war die Sanierung der Gassen, Türme und Höfe. 1997 bis 2001 entstand die neue Elbbrücke, 185 Meter Bogenspannweite. 2003 öffnete der Kapitelturm als Aussichtsturm. 2009 fiel das 22. Burgfest mit der 1000-Jahr-Feier der Ersterwähnung zusammen. 2023, zum 34. Fest, lag das 650. Jahr seit Karls Einzug daneben. Das Fest lädt sich an echten Daten auf, nicht an einem Motto aus der Schublade.

Deshalb stehen Umzug, Burgberg und Neustädter Tor nicht zufällig dort, wo sie stehen. Der Kaiser kommt durch dasselbe Tor. Die Rede fällt auf dem Burghof. Der Rummel liegt vor den Mauern, auf der Wiese am Bleichenberg und am Hafen, wo eine Stadt ihr Fest seit jeher auslagert, wenn innen der Stein zu eng wird.

Wer nach dem Fest noch in der Stadt bleibt, hat denselben Weg ohne Gedränge. Museum im Rathaus, Aufstieg auf den Kapitelturm, Orgel in Stephan, wenn gerade gespielt wird. Die Tafel am Gefängnisturm und die Tafel am Elbzollamt reichen als Pause zwischen zwei Höfen. Mehr braucht der Nachmittag nicht.

Havelberg und Tangermünde teilen die Elbe und die Backsteingotik, nicht denselben Charakter. Havelberg ist Insel und Domstift. Tangermünde ist Hang, Zoll und Kaiserresidenz. Am zweiten Septemberwochenende lohnt beides hintereinander. Samstag der Umzug, Sonntag die Stadtinsel, oder umgekehrt, je nachdem, wo das Bett steht. Für Menschen mit mehr Zeit eine Woche vorher anreisen und den Havelberger Pferdemarkt mitnehmen.

Unterkünfte

Am Festwochenende ist Tangermünde voll. Drei Häuser liegen im Kern und lassen sich über Booking buchen. Wer in Havelberg schläft und nur rüberfährt, findet Betten unter Unterkünfte in Havelberg. Die Buchungslinks führen über unser Partnerprogramm zu Booking.com.

Hotel Schloss Tangermünde

Hotel Schloss Tangermünde auf der Ziegelterrasse über der Elbe
Das Schloss sitzt auf der Mauer. Unten die Elbe, oben die Terrasse.

Amt 1, auf dem historischen Burggelände. Blick auf Elbe und Altstadt auf der einen Seite, Elbauen auf der anderen. Das heutige Haupthaus Amt I entstand 1699 bis 1701 als Absteigequartier Friedrichs I. Zu DDR-Zeiten war es Kinderkrankenhaus. 1999 kaufte Melanie Busse das Gebäude, 2000 öffnete das Hotel. 2005 kam Amt II mit der Wellnessanlage Kaisertherme dazu, 2009 das Haus Königin Luise als Tagungsort mit Festsaal.

Alte Kanzlei, Kapitelturm und Gefängnisturm gehören zum Gelände, der Burghof dient als Terrasse. Restaurant 1699 trägt das Baujahr im Namen, die Kaiserterrasse schaut auf den Strom. Von hier aus bist du in zwei Minuten beim Mittelaltermarkt. Wer das Feuerwerk von oben will, nimmt ein Zimmer zur Elbe.

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Exempel Schlafstuben

Lange Straße an der Kirche, Fachwerk und Gaststuben.

Lange Straße 24, gegenüber dem Westwerk von St. Stephan, mitten in der Altstadt. 18 Themenzimmer, jedes ein anderes Kapitel. Daneben das Quartier Langer Hals, früher Hof Hohenstein, mit Standardzimmern und zwei weiteren Themenzimmern. Betrieben vom Team um Tiemo Schönwald.

Im Kaiser-Karl-Gemach steht ein Himmelbett mit gedrehten Pfosten, daneben ein hölzerner Badezuber. Grete Mindes Brandruine zeigt verkohlte Wände und verrußte Balken. Winsels Folterkammer spielt das frühe 13. Jahrhundert. Wallensteins Lager legt dich auf Feldbetten aus Weidenholz. Dazu Prinzessin-Feodora-Chambré und die Schlafstube der Jungfer Emerentia Lorenz, nach der Sage vom Hirsch, der das Mädchen rettete. Wer den Umzug im Kopf behalten will, schläft danach in einem Zimmer, das dieselbe Geschichte erzählt.

Die Exempel-Gaststuben kochen mittags und abends regional. Arrangement Zeitzauber legt Frühstück und Abendessen dazu. Rezeption rund um die Uhr, hauseigener Shop, Bar, E-Bike-Ladestation. Zum Eulenturm sind es 200 Meter, zur Elbpromenade unter einem Kilometer.

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Schulzens Brauerei und Hotel

Lange Straße 34, direkt am Eulenturm. Einer der letzten Ackerbürger- und Brauereihöfe in der Altstadt. Vorn an der Straße lag früher der Kuhstall, daneben Mägde- und Gesindewohnungen. Das Brauereigebäude stand seit 1917 leer. 2017, genau 100 Jahre später, begannen Christian und Armin Schulz wieder Bier zu brauen, zuerst in Lohnproduktion nach eigener Rezeptur, später auf der eigenen Anlage.

Die Sorten heißen Helles, Ziegelrot in der Farbe des Backsteins und ein kräftiges Porter, das auch ins Treberbrot geht. Das Haus hat 42 Betten, Restaurant mit 60 Plätzen, Biergarten mit Elbblick, gläserne Schaubrauerei, eine Scheunen-Ausstellung zum alten Handwerk und ein Kuriositätenmuseum. Beliebt ist das Arrangement Drei Tage Tangermünde inklusive Elbschifffahrt. Am Festwochenende steht im Elbgarten oft extra etwas auf der Tafel.

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Bilder vom Fest

Tor, Zug, Burghof, Hafen, Tafel.

Neustädter Tor mit Banner Mittelaltermarkt zum Burgfest
Neustädter Tor, Eingang zum Burgberg.
Eulenturm mit Banner und Stephanskirche in Tangermünde
Eulenturm mit Banner, dahinter St. Stephan.
Gefolge in historischen Gewändern auf dem Weg zur Burg
Der Kaiser geht vor, der Mantel braucht Träger.
Festzug am Gefängnisturm auf der Burg
Am Gefängnisturm vorbei, Richtung Burghof.
Fotowand Burgfest Tangermünde
Wer will, stellt sich neben Kaiser und Kaiserin.
Festwiese am Elbufer mit Buden und Blick zur Stephanskirche
Unten am Hafen der Rummel, die Kirche bleibt im Blick.
Burghof mit Terrasse, Turm und Hotelrezeption
Innenhof mit viel Platz für Gäste bei Schulzens.
Blick über Elbe und Tanger auf Tangermünde
Elbe vorn, Tanger durch den Hafen und dann die Kaimauer von Tangermünde.
Blick von der Burgmauer auf Elbe und Feststände
Von der Mauer auf Wiese, Stände und Strom.
Türme der St. Stephanskirche hinter der Burgmauer
Die Türme von St. Stephan über der Burgmauer.
Kreidetafel Schulzens Leckereien beim Burgfest
Tafel bei Schulzens. Die Küche bleibt tangermündisch.
Panorama Tangermünde mit Kirche, Riesenrad, Türmen und Schiffen an der Elbe
Zum Schluss noch einmal die ganze Kulisse.

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