Fähre Räbel-Havelberg
Vier Kilometer westlich der Stadtinsel setzt eine Gierseilfähre über die Elbe. Offiziell heißt sie Fähre Werben, vor Ort sagt man Fähre Räbel. Sie verbindet Havelberg mit der westlichen Altmark, mit Werben und mit dem Elberadweg. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten. Der Reiz liegt im Wie: oft zieht allein die Strömung das Schiff ans andere Ufer.
Gut zu wissen
- Im Sommerbetrieb montags bis freitags 5:30 bis 21 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen 8 bis 21 Uhr. Die Stadt Werben ändert die Zeiten mit Saison und Wasserstand.
- Personen, Fahrräder, Autos, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Lkw. Tragfähigkeit 40 Tonnen, Einzelachse höchstens 18 Tonnen, steht am Anleger.
- Preise setzt die Hansestadt Werben fest. Die Liste liegt auf der Fähre und als PDF auf werben-elbe.de.
- Auskunft: 0173 2486795.
- Parkplätze gibt es an beiden Anlegern.
- Von der Stadtinsel sind es gut drei Kilometer über Genthiner Straße und Elbstraße zum östlichen Anleger.
So kommst du hin
Der Havelberger Anleger liegt an der Elbstraße, hinter dem Haus der Flüsse, am Ende der asphaltierten Rampe. Ein Stoppschild und die Tafel „Achtung, Fähre“ markieren die Einfahrt. Auf der anderen Seite landest du in Räbel, Ortsteil der Hansestadt Werben. Von dort sind es rund vier Kilometer nach Werben.
Radfahrer auf dem Elberadweg nutzen die Fähre als Abstecher in die Altmark. Wer mit dem Auto aus dem Norden kommt, spart sich den Umweg über Sandau, Wittenberge oder Tangermünde.
Roter Pin: Fähranleger. Kartenmaterial: OpenStreetMap.
Wie die Gierseilfähre arbeitet
Quer durch die Elbe liegen gelbe Schwimmkörper. Daran hängt ein Seil, das Gierseil. Der Fährmann stellt das Schiff schräg zur Strömung. Das Wasser drückt den Rumpf seitlich und schiebt die Fähre an das andere Ufer. Motor braucht sie dafür nicht. Du hörst Wasser und Vögel, selten einen Motor.
Bei Hoch- oder Niedrigwasser reicht die Strömung nicht. Dann kuppelt die Besatzung vom Seil ab und fährt mit Motor. Genau dafür wurde das Schiff 1997 zur Kombifähre umgebaut. Ob Gierseil oder Motor, hängt vom Pegel ab, nicht vom Fahrplan.
Überfahrt mit der Gierseilfähre Räbel.
Zum Pferdemarkt
In der Woche des Pferdemarkts fährt die Fähre länger, oft bis 1 Uhr nachts. Ab Donnerstagmittag nimmt sie in der Regel keine Fahrzeuge mehr mit, nur noch Personen und Fahrräder. So bleibt Platz auf dem Schiff und der Stau am Anleger kleiner. Für Händler gibt es in einzelnen Jahren Sondergenehmigungen im Tourismusbüro Werben oder direkt auf der Fähre. Autos bleiben in diesen Tagen am Ufer.
An beiden Anlegern stehen in der Marktzeit Imbisse für die Wegzehrung. Auf der Havelberger Seite kommen Kutschen dazu und ein Kurzzeit-Fahrradverleih bis zum Festgelände, von Donnerstag bis Sonntag. Unter der Woche und außerhalb des Marktes ist der Anleger wieder still: Elbe, Pappeln, ein Stoppschild.
Galerie
Kurze Geschichte
Schriftlich taucht die Fähre 1453 auf. Stillentin von Kröcher verkaufte die Hälfte der Fähre zu Räbel „aus Not“ für 80 Rheinische Gulden an den Werbener Komtur. Dass jemand die Hälfte einer Personenfähre so teuer abgab, sagt etwas über die Einnahmen. 1499 belehnte der Landesherr die Familie von Kröcher erneut. 1583 pfändete das Havelberger Domkapitel eine gerade angeschaffte Wagenfähre, weil Deiche im Mühlenholz beschädigt waren. Danach hatten Kapitelherren freie Überfahrt.
Später lagen die Rechte beim Gut Kannenberg. Beim Bau des Winterhafens 1890 bis 1892 wanderte die Fährstelle rund 150 Meter nach Norden. Aus der Schrickfähre, die mit Stangen arbeitete, wurde die Gierseilfähre. 1923 kaufte die Gemeinde die Gerechtigkeit und baute in der Inflation eine neue Fähre für 27 Millionen Reichsmark.
1945 sprengte die SS das Schiff. Bruno Leppin setzte danach wieder über und ertrank 1948 im Hochwasser. Seine Frau führte den Betrieb weiter. Es folgten Pächter und Fährmeister, ab 1966 Otto Quiel im Dienst der Stadt Werben.
Das heutige Schiff entstand 1990 auf der Werft Havelberg, das Schild am Aufbau nennt Baujahr und Bauwerft. 1997 kam der Umbau zur Kombifähre. Nach einem Pferdemarkt blieb die Verbindung rund elf Monate unterbrochen: das Schiff wurde überholt, beide Anleger neu gebaut. Hoch- und Niedrigwasser haben die Arbeiten verzögert. Das Land steckte gut anderthalb Millionen Euro in die Rampen.
Eine Sehenswürdigkeit im engeren Sinn ist die Fähre nicht. Es gibt kein Museum an Bord. Wer Technik, Flüsse oder den Elberadweg mag, hält trotzdem. Die Überfahrt ist kurz, kostenpflichtig und an dieselbe Stelle gebunden, an der seit dem 15. Jahrhundert übersetzt wird.
Praktische Hinweise
- Auffahren erst, wenn das Fahrpersonal winkt. Reiter und Radfahrer steigen ab.
- Bei Eis, Sturm oder extremem Pegel bleibt die Fähre liegen. Dann bleibt der Umweg über Sandau oder die Elbbrücken.
- Bargeld mitnehmen. Kartenleser sind auf einer Fähre nicht selbstverständlich.
- Eine Unterkunft in Havelberg macht aus der kurzen Überfahrt einen Ausflug nach Werben, ohne denselben Abend wieder über die Elbe zu müssen.