Fähre Räbel-Havelberg

Gierseilfähre Räbel auf der Elbe zwischen Havelberger Rampe und altmärkischem Ufer
Die Fähre Werben auf der Elbe, Blick von der Havelberger Seite nach Räbel.

Vier Kilometer westlich der Stadtinsel setzt eine Gierseilfähre über die Elbe. Offiziell heißt sie Fähre Werben, vor Ort sagt man Fähre Räbel. Sie verbindet Havelberg mit der westlichen Altmark, mit Werben und mit dem Elberadweg. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten. Der Reiz liegt im Wie: oft zieht allein die Strömung das Schiff ans andere Ufer.

Gut zu wissen

So kommst du hin

Der Havelberger Anleger liegt an der Elbstraße, hinter dem Haus der Flüsse, am Ende der asphaltierten Rampe. Ein Stoppschild und die Tafel „Achtung, Fähre“ markieren die Einfahrt. Auf der anderen Seite landest du in Räbel, Ortsteil der Hansestadt Werben. Von dort sind es rund vier Kilometer nach Werben.

Radfahrer auf dem Elberadweg nutzen die Fähre als Abstecher in die Altmark. Wer mit dem Auto aus dem Norden kommt, spart sich den Umweg über Sandau, Wittenberge oder Tangermünde.

Roter Pin: Fähranleger. Kartenmaterial: OpenStreetMap.

Wie die Gierseilfähre arbeitet

Quer durch die Elbe liegen gelbe Schwimmkörper. Daran hängt ein Seil, das Gierseil. Der Fährmann stellt das Schiff schräg zur Strömung. Das Wasser drückt den Rumpf seitlich und schiebt die Fähre an das andere Ufer. Motor braucht sie dafür nicht. Du hörst Wasser und Vögel, selten einen Motor.

Bei Hoch- oder Niedrigwasser reicht die Strömung nicht. Dann kuppelt die Besatzung vom Seil ab und fährt mit Motor. Genau dafür wurde das Schiff 1997 zur Kombifähre umgebaut. Ob Gierseil oder Motor, hängt vom Pegel ab, nicht vom Fahrplan.

Überfahrt mit der Gierseilfähre Räbel.

Einfahrt am Havelberger Anleger.

Zum Pferdemarkt

In der Woche des Pferdemarkts fährt die Fähre länger, oft bis 1 Uhr nachts. Ab Donnerstagmittag nimmt sie in der Regel keine Fahrzeuge mehr mit, nur noch Personen und Fahrräder. So bleibt Platz auf dem Schiff und der Stau am Anleger kleiner. Für Händler gibt es in einzelnen Jahren Sondergenehmigungen im Tourismusbüro Werben oder direkt auf der Fähre. Autos bleiben in diesen Tagen am Ufer.

An beiden Anlegern stehen in der Marktzeit Imbisse für die Wegzehrung. Auf der Havelberger Seite kommen Kutschen dazu und ein Kurzzeit-Fahrradverleih bis zum Festgelände, von Donnerstag bis Sonntag. Unter der Woche und außerhalb des Marktes ist der Anleger wieder still: Elbe, Pappeln, ein Stoppschild.

Luftbild: Gierseilfähre auf der Elbe, Schleusenkanal und Havelberg mit Dom am Horizont
Gierseilfähre auf der Elbe im Vordergrund, Schleusenkanal, Havel und weiter rechts der Dom, mit gutem Auge zu erkennen. Aufnahme am 5.9.2026 zum Pferdemarkt.

Galerie

Steuerstand der Fähre Räbel mit Blick auf die Havelberger Rampe
Steuerhaus, Blick auf den Havelberger Anleger.
Oranger Rettungsring mit der Aufschrift Werben Fähre
Rettungsring der Fähre Werben.
Schild Baujahr 1990, Bauwerft Werft Havelberg
Gebaut 1990 auf der Werft Havelberg.
Pkw auf dem Fährdeck vor dem Steuerhaus
Autos stehen in der Schiffsmitte, Personen an der Reling.
Asphaltierte Rampe zum Havelberger Fähranleger mit Fähre auf der Elbe
Rampe auf Havelberger Seite.
Imbissstände und Parkplatz am Havelberger Fähranleger in der Pferdemarktzeit
Imbiss am Anleger in der Marktzeit.
Abendlicht auf der Elbe vom Fährdeck, gelber Schwimmkörper des Gierseils
Gierseil und Abendlicht.
Stoppschild und Hinweis Achtung Fähre am Havelberger Anleger
Einfahrt nur auf Zeichen des Fahrpersonals.

Kurze Geschichte

Schriftlich taucht die Fähre 1453 auf. Stillentin von Kröcher verkaufte die Hälfte der Fähre zu Räbel „aus Not“ für 80 Rheinische Gulden an den Werbener Komtur. Dass jemand die Hälfte einer Personenfähre so teuer abgab, sagt etwas über die Einnahmen. 1499 belehnte der Landesherr die Familie von Kröcher erneut. 1583 pfändete das Havelberger Domkapitel eine gerade angeschaffte Wagenfähre, weil Deiche im Mühlenholz beschädigt waren. Danach hatten Kapitelherren freie Überfahrt.

Später lagen die Rechte beim Gut Kannenberg. Beim Bau des Winterhafens 1890 bis 1892 wanderte die Fährstelle rund 150 Meter nach Norden. Aus der Schrickfähre, die mit Stangen arbeitete, wurde die Gierseilfähre. 1923 kaufte die Gemeinde die Gerechtigkeit und baute in der Inflation eine neue Fähre für 27 Millionen Reichsmark.

1945 sprengte die SS das Schiff. Bruno Leppin setzte danach wieder über und ertrank 1948 im Hochwasser. Seine Frau führte den Betrieb weiter. Es folgten Pächter und Fährmeister, ab 1966 Otto Quiel im Dienst der Stadt Werben.

Das heutige Schiff entstand 1990 auf der Werft Havelberg, das Schild am Aufbau nennt Baujahr und Bauwerft. 1997 kam der Umbau zur Kombifähre. Nach einem Pferdemarkt blieb die Verbindung rund elf Monate unterbrochen: das Schiff wurde überholt, beide Anleger neu gebaut. Hoch- und Niedrigwasser haben die Arbeiten verzögert. Das Land steckte gut anderthalb Millionen Euro in die Rampen.

Eine Sehenswürdigkeit im engeren Sinn ist die Fähre nicht. Es gibt kein Museum an Bord. Wer Technik, Flüsse oder den Elberadweg mag, hält trotzdem. Die Überfahrt ist kurz, kostenpflichtig und an dieselbe Stelle gebunden, an der seit dem 15. Jahrhundert übersetzt wird.

Praktische Hinweise

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